Münzwaagen

sind zur Wägung von Goldmünzen und manchmal Silbermünzen bestimmt. Gewöhnlich handelt es sich um Laden oder Kästen aus Holz, die eine Waage und Gewichte enthalten. Die Waagbalken aus Stahl oder Messing haben an Schnüren aufgehängte runde oder dreieckige Waagschalen aus Messing (manchmal versilbert). Münzwaagen wurden an unterschiedlichen Standorten in Europa hergestellt: Köln, Amsterdam, Antwerpen, Nürnberg, Paris, Lyon, London. Viele kleinere Orte von geringerer Bedeutung kommen hinzu. Zahlreiche Hinweise und Informationen zu Münzwaagen aus unterschiedlichen Ländern sind im Gewichte-Wiki zu finden.


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Münzwaage aus Nürnberg aus der
Mitte des 18. Jahrhunderts.
Die sogenannten "Bildergewichte" zeigen ein Abbild derjenigen Münze, die mit dem Münzgewicht auf korrekte Masse überprüft werden konnte. Dazu wurden Münze und Münzgewicht auf die beiden Waagschalen gelegt, die unter dem kleinen Holzschieber befindlichen Ausgleichsgewichte halfen, die maximal zulässige Gewichtsabweichung der Umlauf-Münzen zu prüfen. Es gab Tabellen und Bücher, in denen die erlaubten Gewichtsabweichungen aufgelistet waren. Die Münzgewichte sind in grubenartigen Vertiefungen untergebracht, über denen der Name der Münze angegeben ist. So konnte das Werkzeug "Münzwaage" von Schriftkundigen und Analphabeten gleichermaßen genutzt werden. 

Der Kasten enthält zusätzliche Gewichte, die im Deckel untergebracht sind, verschlossen und gegen Verlust geschützt durch einen Schieber aus Holz. Der Deckel wird in geschlossenem Zustand mit zwei Drahtschließen gesichert, wodurch der handliche Kasten auf Reisen gut mitgeführt werden konnte. Münzwaagen waren schon zur Zeit ihrer Herstellung keine besonders preiswerten Objekte, da die Fertigung umfassende Kenntnisse und handwerkliches Geschick erforderte. Wegen der Attraktivität der teilweise verzierten Behälter und der hübsch anzusehenden Gewichte sind zahlreiche Münzwaagen über Generationen aufgehoben worden und erhalten geblieben, obwohl bereits ab der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts kaum noch Verwendung für Münzwaagen bestand.


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Mittelgroße Kölner Münzwaagen-Lade mit 24 Münzgewichten von 1729.

Der Kasten wurde von Johann Franciscus Brewer hergestellt und später (1767) von Jacob Grevenberg revidiert. Bei einer solchen Revision wurde der Bestand an Münzgewichten den im Umlauf gängigen Münzen und deren Gewicht angepasst. Zum einen kamen neue Münzen hinzu, zum anderen wurden die Umlaufmünzen durch Abnutzung minimal leichter. Die Münzgewichte mussten diesen Umständen angepasst werden.