Fälschungen
sind eine ärgerliche Begleiterscheinung, mit der jeder Sammler von Antiquitäten früher oder später in Kontakt kommt. Manchmal erkennt man es gar nicht, manchmal sofort - oder entdeckt nach Jahren mit zunehmender Erfahrung an einem geschätzten Gegenstand plötzlich etwas, was da nicht sein dürfte. Um dann nach reiflicher Überlegung schweren Herzens eine Neu-Klassifizierung vorzunehmen. Ergebnis: Plagiat!
Um Ihnen solche Erfahrungen vielleicht zu ersparen habe ich mich entschlossen, mir bekannten Fälschungen ebenfalls eine Rubrik zu widmen. Da ich manche Abbildungen von Dritten erhalten habe, ist die Bildqualität teils mässig - aber ausreichend, um eine Fehlinvestition zu vermeiden. Und noch etwas: Auch große Namen schützen nicht vor Fehlkäufen: Selbst bei den besten Auktionshäusern werden Nachbildungen als echte Stücke angeboten - Augen auf!

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Fälschung eines Einsatzgewichtes, Nr. 1

Nachbildung in sehr schlechter Qualität. Die Einsätze passen schlecht ineinander, die Oberflächen sind vom Guss rauh und nicht nachbearbeitet. Die Gewichte der Einsätze stimmen nicht ansatzweise.
Generell gilt: Ein Gewicht wurde hergestellt, um damit wiegen zu können. Ein Gewicht, dessen Massen nicht stimmen, ist kein Gewicht!
Jeder Einsatz ist (bei vormetrischen Einsatzgewichten) genau halb so schwer wie der nächst grössere. Nur die beiden kleinsten Gewichte haben die gleichen Massen, sonst wäre die Reihe unendlich :-). Man beachte dazu die Texte unter
Gewichte / frühmetrische und Gewichte / metrische!
Abweichungen von mehr als zwei Prozent vom Sollgewicht kommen eigentlich nie vor.

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Fälschung eines Einsatzgewichtes, Nr. 2

Nachbildung in schlechter Qualität. Die Einsätze sind viel zu hoch und passen sehr schlecht ineinander. Grössere Exemplare mit Henkel. Sehr häufig bei Auktionen.

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Fälschung eines Einsatzgewichtes, Nr. 3 “Portugiese”

Nachbildung in guter Qualität!. Die Einsätze passen gut ineinander, die Oberflächen sind anständig. Die Gewichte der Einsätze stimmen nicht. Henkel und Verschluss haben Fantasieformen, die es so nie gab. Die Eichzeichen sind erfunden. Hergestellt in Portugal um 1970. Es gibt verschiedene Grössen und Formen: Delphin-Henkel, Eichhörnchen- Henkel, Schlangen- oder Schwanen-Henkel: Alle falsch! Das gilt auch für alle Stücke mit Elefanten-Figuren auf dem Deckel. Ein Elefant auf dem Deckel ist Garant für Falschheit!
Die optisch durchaus anspruchsvollen Stücke werden im Handel oft als “19. Jahrhundert” angeboten, obwohl die Verkäufer sich über die mangelnde Echtheit oft durchaus im Klaren sind. Aber die Geschichte zeigt: Alte Nachbildungen erlangen im Laufe der Zeit durchaus einen gewissen Wert. Wer sich also an mangelnder Originalität nicht stört und nur ein dekoratives Einsatzgewicht haben möchte, kann - moderate Preise vorausgesetzt - hier durchaus zugreifen.

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Fälschung eines Einsatzgewichtes, Nr. 4 “Zinn”, 2-10 Kg

Nachbildung in guter Qualität!. Die Einsätze passen gut ineinander, die Oberflächen sind passabel. Die Gewichte der Einsätze stimmen nicht. Es gab nie Einsatzgewichte aus Zinn. Die Eichzeichen sind geometrisch verteilt - sehr unrealistisch!. (In gleicher Machart gibt es auch Zinngefäße im Stil von Apothekengefäßen aus dem 18Jh.) Es gibt verschiedene Grössen und Formen (kleinere Form von 2 u. 4 kg ohne Rippen, 10kg mit Rippen). Ein anderer Hersteller bot ähnliche Zinn-Einsatzgewichte mit einem Bandstempel des Deutschen Reiches 8DR7 an (mit “Block Zin 18 18-Marke).
Absolut gesehen handelt es sich hier aber um einen dekorativen Gegenstand - ich habe selbst eins. Nur sollte man nicht allzuviel Geld dafür ausgeben.

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Fälschung eines Einsatzgewichtes, Nr. 5

Sehr flache Einsätze, die sich am oberen Rand nicht berühren sondern Boden-auf-Boden stehen. Bei einem echten Einsatzgewicht berühren sich die Einsätze nur an den oberen Rändern! (Einzige Ausnahme sind russische Einsatzgewichte, hier bilden die Einsätze einen Turm).

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Fälschung eines Einsatzgewichtes, Nr. 6

Sorgfältige Ausführung, mit oder ohne Henkel (je nach Grösse). Einsätze sind zu hoch und stimmen vom Gewicht nicht ansatzweise. Eichung mit Phantasiestempeln. Die Rippen auf den Gehäuse haben Treppenform - so etwas gibt es bei Originalen nicht. Die Halterungen auf dem Deckel bilden mit selbigem eine Einheit, weil die “Dinger” im Spritzgussverfahren hergestellt sind (Originale und andere Nachbildungen sind aus mehreren Einzelteilen vernietet).

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Fälschung eines Einsatzgewichtes, Nr. 7

Einsätze in miserabler Verarbeitung. Gehäuse sieht recht vernünftig aus. Keine Eichung oder sonstige Punzen.

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Fälschung eines Einsatzgewichtes, Nr. 8 - fast perfekt!

Gesamtes Stück in sehr guter Verarbeitung. Der Deckel schliesst saugend mit hervorragender Passform. Die Einsätze sind anständig verarbeitet und schön patiniert. Der Deckel protzt mit tollen Eichzeichen - und der absolute Clou: Die Gewichte können wiegen! Das Gehäuse wiegt 101,2g, die Einsätze 49,9; 49,9; 24,9; 10,0; 5,0; 5,0; und 5,0g - wunderbar. Aber irgendwie stimmt was nicht. Die letzten drei Einsätze sind gleich schwer, die ersten beiden auch - das ist ungewöhnlich, wo doch jeder Einsatz die Hälfte des nächst grösseren wiegen soll, abgesehen von den beiden kleinsten. Im Boden der Einsätze steht etwas von Lot und Quent, aber das Gewicht ist metrisch. Das “JUSTIERT” auf dem Deckel ist seltsam - und falsch geschrieben. Die Eichmarke ist erfunden. Und alle Teile sind gleich dunkel patiniert - schon ungewöhnlich. Wohl die beste Nachbildung am Markt - aber eben doch falsch. Es gibt Exemplare zu 1 und 1/2 Pfund.

Sehen Sie sich die Originale unter der Rubrik “Gewichte” an. Achten Sie darauf, wie die Meisterzeichen und die Eichmarken aussehen und angeordnet sind. Stücke, die davon deutlich abweichen sind mit grosser Wahrscheinlichkeit Nachbildungen. Und der wichtigste Test überhaupt: Wiegen Sie alle Einzelteile nach. Jedes Teil muss genau halb soviel wiegen wie das nächst grössere Teil. Nur der kleinste scheibenförmige Einsatz ist genauso schwer wie der nächst grössere. Wenn dem nicht so ist haben Sie irgend einen Dekorationsgegenstand in Händen - aber kein Gewicht!

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Fälschung eines Emailmalereiglases

Nachbildung in sehr guter Qualität!. Die Ausführung der Schmelzmalerei ist ausgezeichnet. Der Text auf dem Etikett ist fehlerfrei und entspricht einer Beschriftung aus dem 18Jh. Das Glas ist mundgeblasen mit Abriß am Boden. Es stimmt nicht: Die Flasche hat einen zu langen Hals und zeigt keine Gebrauchsspuren (Kratzspuren an der Unterseite). Hinweis: Es gibt die gleiche Flasche auch mit anderen Kartuschen, z. B. dem Etikett der Mohren-Apotheke in Mainz. Habe die Flasche zuerst für echt gehalten, obwohl mir der lange Hals seltsam vorkam. Cave: Wenn auch nur eine Kleinigkeit stinkt, ist gewöhnlich die ganze Frucht faul. Einzelne Merkmale die Echtheit vorgaukeln machen andere Defizite nicht wett! Das muss man sich als Sammler immer vor Augen halten.

Falsch Glas 2a02 Falsch Glas 2b02 Falsch Glas 2c02

Fälschung eines Emailmalereiglases

Nachbildung in sehr guter Qualität!. Die Ausführung der Schmelzmalerei ist ausgezeichnet. Der Text auf dem Etikett ist fehlerfrei und entspricht einer Beschriftung aus dem frühen 19 Jh. Das Glas ist in eine Form geblasen und an der Öffnung geschliffen. Auf dem Boden ist mit Schmelzfarbe die Nummer des Schliffstopfens vermerkt. Es stimmt nicht: Das Glas hat eine für die Zeit unkorrekte Färbung und zeigt keine Gebrauchsspuren (Kratzspuren an der Unterseite). Hinweis: Es gibt die gleiche Flasche auch in einer dickeren Ausführung, alles mit unterschiedlichen Beschriftungen - alle korrekt und dem frühen 19 Jh. entsprechend. Die Kartusche ist zu perfekt für ein fast 200 Jahre altes Glas. Was auf den Ersten Blick wie Gebrauchsspuren an der Unterseite aussieht, sind Unebenheiten bedingt durch die Herstellung. Ein sehr schönes Glas - aber leider neu.

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